Teil 49 meiner 90-Tage-Challenge. Am vergangenen Sonntag haben meine Frau und ich Santa Cruz de Tenerife nach 3,5 Wochen wieder verlassen. Am Sonntag und Montag habe ich auf dem Deck der Fähre in zwei Zeichnensessions diese drei Skizzen gemacht. Nach längerer Zeit wieder mit Bleistift.

Die Fährfahrt Santa Cruz de Tenerife — Huelva

Da wir ja schon mit der Fähre vom spanischen Festland nach Teneriffa gefahren waren, haben wir unserer zweiten langen Fahrt mit deutlich größerer Gelassenheit entgegengesehen. Dass wir im Gegensatz zu unserer Hinfahrt etliche Stunden weniger auf See sein würden, kam uns natürlich auch entgegen. (Bei der Hinfahrt haben wir für unsere eigentliche geplante Fahrt keine Tickets mehr bekommen und vor Teneriffa haben wir dann noch andere der Kanarischen Inseln angefahren, was richtig Zeit in Anspruch nahm.) An den beiden Abenden auf See haben meine Frau uns noch auf meinem iPad Filme angesehen – ausgesucht aus dem frei verfügbaren Angebot innerhalb des WLANs der Fähre. Das WLAN war ansonsten eine Überraschung: im Vorfeld der Reise hatten wir in Erfahrung gebracht, dass wir auf der Fähre freies WLAN haben würde. Dass sich das allerdings nur auf das genannte Angebot beschränkte, hat uns dann doch überrascht. Ach ja: WhatsApp war auch inbegriffen. Da ich WhatsApp nicht nutze, war ich – wie auf der Hinfahrt schon –praktisch die ganz Zeit über offline. Offline zu sein, fühlt sich mittlerweile schon seltsam an … Für schlappe knapp 10€ hätten wir uns übrigens Onlinezeit buchen können, worauf ich dann doch verzichtet habe.

Ankunft im Hafen von Huelva

Obwohl wir mit fast 1,5h Verspätung von Santa Cruz de Tenerife gestartet waren, kamen wir sogar knapp vor der geplanten Ankunftszeit in Huelva an. Als ich ab 7:00 in Küstennähe – endlich – wieder online war, habe ich per Googlemaps recherchiert, wie es vom Hafen für uns per ÖPV weitergehen würde. Die schlechte Nachricht war dann: die nächste Bushaltestelle, von der aus wir zum Busbahnhof fahren könnten, ist 4km entfernt. Das ist – wirklich schwer bepackt – einfach zu viel. Insbesondere nach zwei sehr schlecht geschlafenen Nächten und erheblichen Zeitdruck: wir hatten knapp drei Stunden bis zu unserer Abfahrt mit einem Flixbus am Busbahnhof. Das klingt nach viel Zeit, aber die Busverbindungen, die mir angezeigt wurden, machten klar, dass es sehr eng werden könnte. Außerdem waren wir ja noch an Bord und wie lange das Offboarding dauern würde, wussten wir auch noch nicht. Insofern habe ich den Start am Festland als sehr stressig erlebt. Schließlich ging alles sehr entspannt. Denn, was wir nicht wussten: von der Fährreederei wird den Passagieren, die nicht mit Auto o.Ä. unterwegs ein Shuttlebus Richtung Busbahnhof zur Verfügung gestellt. Und das kostenfrei! So kamen wir dann doch mit genügend Zeit am Busbahnhof an. Hier fragten wir uns durch, wo wir wohl unseren Flixbus erwarten könnten. Nachdem wir die entsprechende Info hatten – die nirgends angeschlagen stand –, haben wir uns ein Frühstück im Café des Busterminals gegönnt. Und trafen dort auf Joanne, die meine Frau kennengelernt hatte, als wir in Santa Cruz auf den Zugang zur Fähre warteten. Und auf der Fähre lief man sich auch ständig über den Weg, insofern war das Treffen mit ihr am Busbahnhof in Huelva nicht wirklich eine Überraschung – aber dennoch witzig.

Die Fahrt mit Flixbus Huelva — Porto

Unser Bus kam pünktlich – aus Sevilla – und war schon recht voll, sodass ich einen Mitfahrenden wecken musste, damit er seinen Nebenplatz von seinem Handgepäck räumen konnte … So starteten wir um 10:10 aus Huelva mit der Aussicht, um 19:30 in Porto, unserer vorletzten Station unseres Vierteljahressabbaticals, anzukommen.

In Faro / Portugal war Umsteigen angesagt. Mit einem 1,5stündigen Aufenthalt verbunden. Obwohl Faro von Huelva nur gut 100km entfernt ist, zog sich die Fahrt – auch bedingt durch Grenzkontrolle und den Umweg über Albufeira – enorm. Und allmählich machte ich mir Sorgen, ob wir unseren Anschlussbus in Faro erreichen könnten … Und kurz bevor wir an der Umsteigebusstation ankamen, war klar: wir sind zu spät dran … Warten Flixbusse aufeinander? Sollen wir unseren Busfahrer bitten, dem Fahrer unseres nächsten Busses Bescheid zu geben? Wie auch immer: um uns herum blieben alle Mitfahrenden gelassen (wobei ich nicht einschätzen konnte, wer wie wir einen nächsten Bus erreichen wollte) – genau wie der Busfahrer selbst.

Und dann kamen zwei Überraschungen für uns: die Umsteigebushaltestelle war, anders als die schon gewohnte Busterminals, eher eine normale Bushaltestelle im Irgendwo einer mittelgroßen Stadt. Das heißt: kein WC, kein Café, kein Getränkeautomat … Naja. Da kam für mich mal wieder das eher unbeliebte Thema »Erwartungen« auf.

Wie spät ist es?

Wie auch immer: bald kam ein Bus in Richtung Lissabon – unsere Richtung! Beim Check, ob das wirklich unser Bus war: die nächste, riesengroße Überraschung! Es war nicht unser Bus – unser Bus sollte eine Stunde später kommen! Und der Busfahrer und die sehr bemühten Mitreisenden, die wohl meine Aufregung spürten, blieben ruhig, während sie mir diese Neuigkeit versuchten mitzuteilen. Und in diesem Moment dämmerte es mir: wie viel Uhr ist es? Hier in Portugal? Die ebenso verwirrende wie erleichternde Info: 11 Uhr. Und damit genau eine Stunde früher, als ich angenommen hatte! Mein Denkfehler bestand darin, dass ich meine Uhr bei der Ankunft in Huelva am spanischen Festland wieder eine Stunde vorgestellt hatte, da es auf den Kanarischen Inseln eine Stunde früher ist. Nur: in Portugal ist dieselbe Zeitzone wie auf den Kanaren! Wir hatten also tatsächlich noch eine Stunde Wartezeit bis zu unserem Bus, der uns nach Porto bringen sollte!

Und genauso ging es dann auch – planmäßig – weiter. Mittags saßen wir also im zweiten Bus und die erste Station von drei Zwischenhalten bis Porto war Lissabon. In dieser Stadt hatten meine Frau und ich vor etwa 30 Jahren zweimal Urlaub gemacht. Daher ist diese Stadt für uns sozusagen geschichtsträchtig. Wie damals hat mich die Fahrt über die sehr lange Autobahnbrücke aus der Richtung Algarve sehr beeindruckt. Ansonsten haben wir nicht viel von Lissabon gesehen: nach einer Viertelstunde Aufenthalt am Lissabonner Busterminal ging’s weiter Richtung Norden.

Es regnet!

Obwohl ich in meiner Wetterapp gesehen hatte, dass es im Norden Portugals schon die vergangenen Tage geregnet hatte und die Vorhersagen weiter Regen ankündigten, hat mich die nasse Witterung dann doch überrascht. Nach 10 Wochen Sonne in Andalusien, Marokko und den Kanaren (zwei Tage leichter Regen auf Teneriffa nicht mitgerechnet) waren die arbeitenden Scheibenwischer auf der Frontscheibe des Fernbusses dann doch irgendwie ungewohnt!

Ansonsten hat der Busfahrer mit einer Playlist der 80er zwar nicht den Geschmack meiner Frau und mir getroffen – Erinnerungen an eine der wichtigsten Zeiten meines Lebens wurden dennoch wach :)

Ankunft in Porto

Nach fast zehnstündiger Busfahrt kamen wir pünktlich am riesigen – und praktisch menschenleeren – Busbahnhof in Porto an. Glücklicherweise war der Regen auf der Autobahn eher schauerartig, sodass wir im Trockenen in Porto ankamen.

Mittlerweile sind wir ja viel mit Bussen unterwegs gewesen und jedes Mal habe ich das Umsteigen und insbesondere das Ende einer Fahrt immer als seltsam erlebt, was mir auch bei den sehr langen Fährfahrten so ging: Man teilt für eine bestimmte Zeit einen sehr begrenzten Platz – und geht anschließend ohne ein Wort des Grußes auseinander. Seltsam.

Wie auch immer: Googlemaps weist uns mal wieder den Weg zu unserer nächsten Airbnbwohnung. Der Weg führt uns an Autostraßen vorbei, die vor lauter unzähliger parkender Autos derart voll sind, dass wir, schwer bepackt wie wir sind, auf der Fahrbahn entlang stiefeln. Nach einiger Zeit treffen wir auf Jugendliche, die uns beim Weg helfen, weil der von Googlemaps empfohlene Weg in eine buchstäbliche Sackgasse führt. Das Trüppchen fragt uns, ob wir auch zum Stadion wollen? Nein, eine Bushaltestelle ist unser Ziel. (Übrigens spielte an unserem Ankunftsabend Leverkusen hier gegen den FC Porto.)

Schließlich kommen wir an der Haltestelle an – meine Kräfte sind allerdings mittlerweile auch so gut wie aufgebraucht. 

Aufgebraucht ist leider auch mal wieder – trotz Aufladens im Flixbus – der Akku meines iPhones. Ich brauche aber dringend die Adresse unserer Wohnung, hinterlegt in der Airbnb-App. Und Googlemaps zieht auch immer ordentlich am Akku … Letztlich klappt alles und gegen 21:00 – wir sind jetzt seit über 52 Stunden unterwegs – werden wir von Manuela, unserer Airbnbvermieterin herzlich empfangen. Manuela spricht Englisch mit uns, worüber wir sehr dankbar sind: sich jetzt noch auf Portugiesisch auszutauschen, dazu fehlt meiner Frau und mir jetzt die nötige Energie.

Die Wohnung liegt ruhig, ist für zwei Personen ziemlich groß und mit allem Nötigen ausgestattet. Für meine Frau und mich ist schnell klar, dass wir uns hier wohlfühlen werden! Nachdem uns Manuela noch zahlreiche Tipps anhand eines Standplanes mitgibt, verabschiedet sich unsere sympathische Vermieterin. 

Wir essen noch etwas von unserem übrig gebliebenen Proviant und freuen uns nur noch aufs Bett: Unser erster Erkundungsspaziergang muss bis morgen warten!

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